Die wirtschaftliche Lage des Rittergutes Möser führte  zum Konkurs des Gutes und zur Versteigerung des wirtschaftlichen Eigentums des damaligen Besitzers, des Direktors des Rennvereins Magdeburg, Major a.D. der Reichswehr, von Gaza. Die Versteigerung erfolg­te zu Beginn des Jahres 1929. Die Sparkasse Genthin erhielt mit ihrem Gebot den Zu­schlag und es konnte, so die Pressemeldung vom 14. August1929, mit der Vermarktung  begonnen werden.

Von der Sparkasse Genthin war vorgesehen, 7 Bauernstellen mit 65 – 80 ha Eigentumsflä­che, 16 Gärtnerstellen mit 10 Morgen Land und  8 Arbeiterstellen mit 2 Morgen Land zu schaffen. Die Bauernstellen waren durch die Einbeziehung der vorhandenen Bebauung bereits ab dem 01. 10. 1929 von den neuen Eigentümern nutzbar.

Für die Gärtnereistellen wurde vorgesehen, entsprechende Wohn- Stall- und Gewächshausbauten zu errichten. Ebenso sollte eine zentrale Bewässerungsanlage ge­schaffen werden. Ehe diese Baumaßnahmen abgeschlossen werden konnten, wurden ei­nige der neuen Eigentümer in dem Küchenbereich des Herrenhauses provisorisch unter­gebracht. Da Einige aus Stadtbereichen kamen und der Herrenhausbereich mit dem Park ein guter Spielplatz war, haben sich die Kinder dort besonders gut gefühlt.

Mit der Fertigstellung der 16 Wohnstellen und der Übergabe im Juli/August 1930 begann besonders für die  Neumöseraner eine anstrengende Arbeit zur Nutzbarmachung der Flächen. Die Qualität der Böden erforderte zunächst eine erhebliche Qualitätsverbesserung, um auch einen ertragreichen Gemüseanbau zu ermöglichen.

Mit der Ansiedlung von Gärtnern und Tierzüchtern waren zwei Zielstellungen verbunden. Durch die Erbfolgegesetzgebung war es den Erstgeborenen einer Familie vorbehalten die Weiterführung von familiären Gewerbebetrieben zu übernehmen. Weitere Nachkommen, wenn sie ebenfalls in der Lage waren, selbständige Betriebe zu führen, hatten das Nach­sehen. Hier konnte die  günstige Möglichkeit geboten werden, eine eigenständige Existenz zu errichten.  So ist es auch nicht verwunderlich, dass die eigentlichen Wurzeln der Blumenstraßenbewohner in viele Teile des damaligen Deutschlands zu suchen sind.

Des Weiteren wurde es erforderlich, dem Arbeitskräftepotential, das für die rasche Ent­wicklung der Industriebetriebe in den Städten im ständigen Wachsen begriffen war, die Versorgungsbasis zu schaffen. Zu dieser Zeit musste der notwendige Bedarf noch in un­mittelbarer Nähe gedeckt werden. So ist es auch zu verstehen, dass in den ersten Jahren die Gärtner noch mit Pferd und Wagen morgens um 04.00 Uhr nach Magdeburg zum Markt aufbrachen, um ihre Produkte abzusetzen. Später übernahm ein Magdeburger Großhändler mit einem Kraftfahrzeug den Transport, aber immer noch fast ausschließlich nach Magdeburg.

Nach Kriegsende veränderte sich der Streubereich des Absatzmarktes. Durch die von der DDR-Regierung geschaffene zentrale Verteilung der Obst- und Gemüseprodukte wurde Möseraner Gemüse in Rostock, Gera, Suhl, Cottbus, Berlin also in fast allen Teilen der Republik gegessen.

Auch die Kollektivierungswelle ging nicht an der Blumenstraße vorbei. 1960 wurde die GPG (Gärtnerische Produktionsgenossenschaft) gegründet. Durch die beiden Gründerbetriebe, unter Einbeziehung einiger landwirtschaftlicher Flächen, wurde die Gemüseproduktion erweitert.

Da die Kollektivierungswelle am Abklingen war, blieben die anderen Erwerbsgärtner der Blumenstraße auch weiterhin privatwirtschaftlich tätig.

Erst mit der Deutschen Einheit veränderte sich das Bild der Blumenstraße. Bis vor kurzem waren noch 8 Betriebe wirtschaftlich tätig. Heute sind es nur noch 7 Betriebe. So wandelt sich dieser Bereich auch immer mehr zu einem Wohnbereich.

Eine Antwort hinterlassen

(erforderlich)

(erforderlich)

Du kannst diese HTML Tags und Attribute benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

© 2010 Heimatverein der Gartenstadt Möser Webdesign: WEB-Service Uwe Gabbert Suffusion WordPress theme by Sayontan Sinha